Michael Kosmeli:
DIE ZWEI UND VIERZIG JÄHRIGE ÄFFIN.
DAS VERMALEDEITESTE MÄRCHEN UNTER DER SONNE.
Roman

Herausgegeben, kommentiert und benachwortet
von Dirk Sangmeister

14×21,5 cm, gebunden, 
mit Kopffarbschnitt, Prägung und Lesebändchen
240 Seiten

26,— € (D), 26,70 € (A)
ISBN: 978-3-946990-75-8

 

Eine afrikanische femme fatale unter weißen Hanswürsten: Ein Skandalon der deutschen Literaturgeschichte wird wiederentdeckt.

 

Ein herrlich derber Sünden-Naturalist und Gigant.
- Jean Paul

Dieser Roman war ein Affront gegen die guten Sitten, den rechten Glauben und alle Konventionen. Mitten in der »Goethezeit« erschien ein anonymes Werk, in dem unerhörte Dinge erzählt wurden: Die Zwei und vierzig jährige Äffin (1800), laut Untertitel »Das vermaledeiteste Märchen unter der Sonne«. Das krude Buch ist getränkt mit hohnlachendem Nihilismus, zugleich gespickt mit literarischen Anspielungen, es verbindet blasphemische Freigeistigkeit mit hemmungsloser Freizügigkeit. Dergleichen gab es vorher nicht.

Heroine des Romans ist eine äthiopische femme fatale, die voller Klug-, Geil- und Bosheit adelige und geistliche Strohköpfe des Alten Reichs dazu benutzt, ihr Vermögen zu vermehren. Zum Ende ihrer lustvollen Laufbahn wird sie damit eine gelehrte Akademie stiften. Ein Bildungsroman also der grundsätzlich anderen Art, der vom selbstbestimmten Leben einer farbigen Frau erzählt, die alte weiße Männer ob ihrer Impotenz verspottet, gleichgeschlechtliche Liebe gutheißt und Selbstmord begrüßt. In Österreich und anderen Territorien wurde das skandalöse Buch sofort verboten.
Nun wird der Roman zum 250. Geburtstag seines Autors Michael Kosmeli wiederaufgelegt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von dem Literarhistoriker Dirk Sangmeister.

Michael Kosmeli (1773-1844), war ein Schriftsteller, Maultrommelvirtuose und Botaniker. Ein pockennarbiger Vagant »voll Glut und Wut«, wie sein zeitweiliger Freund Jean Paul formulierte, der einige seiner Romanfiguren mit Kosmelis Wesenszügen ausstaffierte. Kosmeli durchstreifte ein Vierteljahrhundert zu Fuß weite Teile Europas, erkundete wiederholt das marode Osmanische Reich und schlug sich bis nach Persien durch. Zwischendurch studierte der »perverse und geniale Kosmeli« (Leopold von Gerlach) in Jena, wo er 1809 dem Geheimrat Goethe »viel von Constantinopel und dem Orient erzählte«. Je weiter er in die Ferne schweifte, desto legendärer wurde er in der Heimat: »Bemerken Sie dort den großen breitschultrigen Mann im schwarzen Oberrock?«, fragte Heinrich Heine 1822 in seinen Briefen aus Berlin: »Das ist der berühmte Cosmeli, der heut in London ist und morgen in Isfahan.« Michael Kosmeli war der verwahrloste Bruder des Peter Schlemihl von Chamisso, den er zu seinen Freunden zählte. Zu seinen schriftstellerischen Arbeiten zählen unter anderem noch Lindor (1801), Reise ins Paulinerkloster im Fürstenthum Scheerau (1801), Reimereien einer Köchin (1816) und Harmlose Bemerkungen auf einer Reise über Petersburg, Moskau, Kiew nach Jassy (1822).